Gift in den eigenen vier Wänden?

Eine Untersuchung des Bundesgesundheitsamtes belegt, dass die Raumluft in unseren Wohnungen häufig erheblich mit Schadstoffen belastet ist. Allergien, Atembeschwerden, Augenbrennen, Kopfschmerzen und unerklärliche ständige Müdigkeit bis hin zu Krebserkrankungen können die Folge sein. Resümee der Forscher des Bundesgesundheitsamts. „Die Belastung der Innenraumluft in Wohnungen ist oft bis zu 50 mal größer als an vielbefahrenen Straßenkreuzungen.“

Unterschiedliche Umwelteinflüsse können die Wohnqualität entscheidend beeinflussen. Dabei spielen sowohl zeitweilige Belastungsquellen („Elektrosmog“, Lüftungs- und Klimaanlagen, Beleuchtung) als auch dauerhafte Belastungsquellen (Allergene, Schadstoffe aus Möbeln und Baumaterialien) eine große Rolle, denn jedes Jahr werden mehrere hunderttausend Tonnen Chemikalien im Wohnsektor eingesetzt: in Holzverkleidungen und Bodenbelägen, in Farben, Lacken, Holzschutzmitteln und Teppichbodenklebern, in Schränken, Polstermöbeln, Lampen und Matratzen. Überall im Haus sorgen die unterschiedlichsten Stoffe und Stoffgemische für all die Farbe, Haltbarkeit, Festigkeit, Dichtigkeit, Pflegeleichtigkeit, Flexibilität und auch Bequemlichkeit, die uns heute schöner wohnen und vermeintlich besser leben lassen.

Einige dieser eingesetzten Chemikalien haben auch eine Kehrseite, die unter Umständen zum Vorschein kommen kann. Heimlich, unsichtbar und fast unmerklich entweichen flüchtige Stoffe aus den Wänden, dem Teppich, dem Buchregal oder Polstermöbeln, sammeln sich in der Innenraumluft an und werden unbemerkt von uns eingeatmet. In der Folge klagen immer mehr Menschen in ihrer Wohnung über Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, Augen- oder Atemwegsreizungen, werden von Allergien geplagt oder tragen schwere Schäden davon, ohne sich die Ursachen erklären zu können.

Natürlich lässt sich nicht jedes Unwohlsein mit „Wohngiften“ erklären, aber die Gefährlichkeit der Innenraumluftbelastung ist nicht zu unterschätzen, handelt es sich doch teilweise um giftige bis sehr giftige Substanzen.

Beim überlegten Kauf einer neuen Polstergarnitur können Sie eine der größten möglichen Quelle von Schadstoffen ausgeschalten. Die in Deutschland hergestellten Möbel unterliegen den strengsten Umwelt- und Gesundheitsauflagen weltweit. Wurde für das Möbel auch noch das RAL-Gütezeichen verliehen, müssen noch strengere Bestimmungen als die gesetzlichen eingehalten werden. In anderen Ländern gibt es weniger und meist wesentlich laschere und industriefreundlichere Bestimmungen.

Der Gesetzgeber lässt eine Menge Lücken offen. So ist europäischen Herstellern die Verwendung vieler giftiger Stoffe zwar verboten, verwendet aber ein außereuropäischer Hersteller diese Stoffe in seinem Produkt, kann dieses problemlos in Deutschland verkauft werden.

Das heißt: viele der in großem Maße angebotenen ausländischen Billigmöbel enthalten eine Mischung der unterschiedlichsten Schadstoffe wie PCP, Schwermetalle, Lindan, Formaldehyd, Azofarben, Pestizide und Insektizide, deren Verarbeitung zwar in Deutschland verboten ist, nicht jedoch deren Verkauf. Gerade bei Billig-Discountern wird eine Menge aus Osteuropa und Asien eingeführt und dem Kunden für ein paar Euro nachgeworfen. Pressemeldungen wie “Sessel aus China lösen schwere Ekzeme aus“ beweisen eindrucksvoll die schädigende Wirkung, die von Importmöbeln ausgehen können.

Vor allem, wenn die Beschwerden gehäuft und nur in der Wohnung oder in einem bestimmten Zimmer auftreten und anderswo – etwa bei Wochenendausflügen oder im Urlaub – nachlassen, sollten Sie sich auf die Suche nach möglichen Schadstoffquellen begeben. Sollte ein Möbelstück tatsächlich eine Schadstoffbelastung aufweisen, die den gesetzlichen Richtwert überschreitet, hat der Käufer übrigens Rückgaberecht. Allerdings obliegt es ihm, das erst einmal per Expertenuntersuchung nachzuweisen. Das vermeintliche Schnäppchen kann ihn dann unter Umständen teuer zu stehen kommen.

Jedoch ist auch bei deutschen Fabrikanten trotz entsprechender gesetzlicher Regelung die Verarbeitung von unbelasteten Materialien nicht immer garantiert. Deshalb: Finger weg von verdächtig günstigen Angeboten!

Die häufigsten in ausländischen Billigmöbeln enthaltenen Gifte und Ihre gesundheitsschädigenden Wirkungen:

StoffVerwendungGesundheitsschäden
AzofarbenFärben von Ledern und Stoffenallergieerzeugend, zum Teil krebserregend
BiozidePflanzenschutz- und KonservierungsmittelAtemwegserkrankungen, Müdigkeit, Immunschwäche, Nerven- u. Gehirnschäden
Chrom (VI) - VerbindungenLedergerbungAugen, Haut und Schleimhaut reizend, Ekzeme, chronische Bronchitis, Geschwüre, krebsverdächtig
DiisocyanateSchaumstoffherstellungbei nicht völlig ausreagierten Schäumen: Reizung der Augen und Atemwege, Asthma, Krebsverdacht, hohes toxisches Potential
DMF (Dimethylfumarat)Konservierungsmittel für Lederschwere Ekzeme, Juckreiz, Verbrennungen, zum Teil akute Atembeschwerden
Ethyl-BenzolLösemittel in Lacken, KlebernAugenreizung
FCKWSchaumstoffherstellungwenig giftig, jedoch wegen Schädigung der Ozonschicht verboten
Formaldehydin Spanplatten enthaltenKopfschmerzen, Augenreizungen, Asthma, Lungenschäden, krebsverdächtig
LindanHolzschutzmittelErbrechen, Atemlähmung, Krämpfe
PCP (Pentachlorphenol)Konservierung von Lederkrebserregend, Kopfschmerzen, Übelkeit, Leber-, Augen- u. Nervenschäden, Muskelschwund
QuecksilberLedergerbungÜbelkeit, Erbrechen, möglicherweise zentralnervöse Störungen
SchwermetalleFärben von Flock-Mikrofaserngiftig bis sehr giftig
ToluolLösemittel in Lacken, KlebernÜbelkeit, Kopfschmerzen, Hautausschläge, Atemstörungen, Leber- u. Nierenschäden, Fruchtschaden bei Schwangeren wahrscheinlich
VinylchloridKunstlederherstellungLeberkrebs, Verdacht auf Erbgutschäden
XylolLösemittel in Lacken, KlebernKopfschmerzen, Brechreiz, Reizung der Augen und Atemwege, Verhaltensstörungen

Holzschutzmittel können PCP (Pentachlorphenol), Lindan, TBTO, Spuren von giftigen Dioxinen und Furanen und eine ganze Reihe anderer Stoffe enthalten. Sie sind in der Bundesrepublik seit 1989 verboten. Im Ausland ist die Verwendung von PCP allerdings erlaubt und daher können belastetete Möbel durch den Import zu uns gelangen.

Das zweite, vor allem in Zusammenhang mit Möbelstücken und aufgrund der Schwere der möglichen Symptome bekannte Gift ist Formaldehyd. 80 % der vermarkteten Möbel bestehen aus Spanplatten. Nach der Gefahrstoffverordnung von 1989 sind für die Verwendung in Innenräumen, also auch für die Herstellung von Möbeln, nur Spanplatten mit dem geringsten Formaldehydgehalt, die sog. E1-Platten, zugelassen. Diese Vorgabe gilt aber nicht für im Ausland produzierte und in die BRD importierte Möbel.

Doch nicht nur Spanplatten gasen Formaldehydgehalt aus. Jede offene Feuerstelle stellt aufgrund unvollständiger Verbrennungsprozesse eine Quelle für Formaldehyd dar. Bei unzureichender Lüftung kommt es dann zu einer hohen Raumluftbelastung. Übrigens: In Zigarettenrauch ist ebenfalls, neben vielen anderen Stoffen, auch eine erhebliche Menge Formaldehyd enthalten, das zumeist die Nichtraucher - weil ungefiltert - verstärkt abbekommen.

Allergiker haben es mit ihren Möbeln oft nicht leicht. Ebenso wie Teppichböden und Gardinen sind Polstermöbel die reinsten Staubfänger und Lebensraum für Hausstaubmilben. Allergiekranke sollten ihre Wohnungseinrichtung also von vorneherein bewußt planen und auf homogene Bezüge achten.

Der Ratgeber des Umweltbundesamts Gesund und umweltfreundlich einrichten steht als PDF zum Download bereit.

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